Das Projekt

Das Projekt


Ausgangslage und Zielsetzung

Im Großraum Düsseldorf nahm der Radverkehr wie in vielen deutschen Ballungsräumen in den letzten 15 bis 20 Jahren stetig zu und zwar insbesondere im verdichteten Kernraum und im Segment des Berufsverkehrs. Der Radverkehr erlangt zentrale Bedeutung hinsichtlich der Beseitigung verkehrlicher Kapazitätsengpässe und gilt zugleich als Problemlöser in Sachen Klimaschutz.
Radschnellwege sollen daher aufgrund ihrer besonderen Qualitätsstandards und ihrer Ausgestaltung das Radfahren im Alltag auch über längere Distanzen attraktiv machen und als Beitrag zur Mobilitätssicherung dienen. Zum einen können die bestehenden Netze des MIV entlastet werden, zum anderen kann die Mobilitätsteilhabe der Menschen aufgrund der geringen Kosten, die durch das Radfahren entstehen, gesteigert werden, was zu mehr Chancengleichheit in der Region beitragen kann. Aus diesem Grunde soll die Radschnellverbindung insbesondere für Alltagswege attraktiv sein und insbesondere die Gruppe der Pendler und Schüler aufs Rad bringen.

Auch die Entwicklung und stetige Verbreitung von Pedelecs, die deutlich höhere und konstante Geschwindigkeiten erreichen können, spielt hier eine wichtige Rolle. Mit ihnen können längere Strecken im Alltag in der gleichen Zeit zurückgelegt werden, was die Reichweite nochmals verlängert.
Mit Verfolgung dieser Ziele werden derzeit überall im Bundesgebiet Radschnellverbindungen geplant. Im Rahmen des Planungswettbewerbs zum Bau von Radschnellwegen der Landesregierung und der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise hat die Landeshauptstadt Düsseldorf zwei Konzepte für Radschnellwege entwickelt und sich mit diesen beworben. Zum einen Ratingen – Düsseldorf – Kaiserswerth und zum anderen Neuss – Düsseldorf – Monheim am Rhein – Langenfeld.

Radschnellverbindung als Gemeinschaftsprojekt der Städte Neuss, Düsseldorf, Langenfeld und Monheim am Rhein

Die südliche Radschnellverbindung zwischen der Landeshauptstadt Düsseldorf und ihren Nachbarstädten Neuss, Langenfeld und Monheim am Rhein gehört neben den Regionen Köln, Aachen, Ostwestfalen und Westmünsterland zu den fünf prämierten Siegerprojekten des landesweiten Planungswettbewerbs.
Ausschlaggebend dafür war insbesondere das hohe Potenzial, das diese Trasse in Hinblick auf die hohen Pendlerströme und die kurzen Entfernungen zwischen der Stadt Düsseldorf und den Nachbarkommunen bietet. Mit der Heinrich-Heine-Universität liegt außerdem ein bedeutender Bildungsstandort an der potenziellen Radschnellverbindung.
Im Großraum Düsseldorf ist die Hauptaufgabe der Radschnellwege vornehmlich der Anschluss der Nachbargemeinden, da die Qualitätsstandards einer Radschnellverbindung innerstädtisch nur schwer umgesetzt werden können. Innerstädtisch wird das Konzept eines Radhauptnetzes verfolgt, das die notwendige Netzkategorie zwischen Radschnellwegen und den Bezirksnetzen schafft.

Mit der Realisierung einer Radschnellverbindung zwischen den Städten Neuss, Düsseldorf, Langenfeld und Monheim am Rhein werden konkrete Zielsetzungen verfolgt:

  • Insbesondere Alltagsradfahrern, die den täglichen Weg zur Schule oder Arbeit mit dem Fahrrad zurücklegen, soll ein hochwertiges Infrastrukturangebot geschaffen werden.
  • Die Radschnellverbindung soll möglichst ohne Umwege verlaufen und die erforderlichen Qualitätskriterien für Führungsformen und Knotenpunkte einhalten, um ein schnelles Vorankommen zu ermöglichen.
  • Der Verlauf der Trasse soll so gestaltet werden, dass ihre potenziellen Nutzer „abgeholt“ werden, d.h. die maximal möglichen Potenziale ausgeschöpft werden.
  • Die Gestaltung der Trasse soll in Verträglichkeit mit der angrenzenden Landschaft und Stadtbild sein.

Innerhalb der Landeshauptstadt Düsseldorf werden im Mittel 14 % aller Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt. Auf die Wege, die das Düsseldorfer Stadtgebiet verlassen, entfällt hingegen ein Radverkehrsanteil von etwa 12,4 %. In Neuss beträgt der Anteil der mit dem Fahrrad zurückgelegten Wege pro Person und Tag in Mittel 15,4%, in Monheim am Rhein 14,1 % und in Langenfeld sogar 20,0 %. Ziel einer Radverkehrsinfrastruktur in Premiumqualität, wie die Radschnellwege sie darstellen, ist es, diese Radverkehrsanteile weiter zu erhöhen.

Schneller ankommen! Radschnellweg Landeshauptstadt Düsseldorf

Die Radschnellwegstrecke Süd weist eine Streckenlänge von 29,6 km auf. Sie verläuft von der Neusser Innenstadt über die Josef-Kardinal-Frings-Brücke und die Stadtteile Volmerswerth und Flehe zur Heinrich-Heine-Universität und von dort weiter durch die Stadtteile Wersten und Holthausen in die Bezirkszentren Benrath und Garath. In Garath verzweigt sich der Radschnellweg Süd in einen Ast Richtung Langenfeld und einen Ast in Richtung Monheim über Düsseldorf-Hellerhof, Monheim- Baumberg und Monheim-Mitte in Richtung der südlichen Stadtgrenze Monheims.

2,7 km der Trasse verlaufen durch die Stadt Neuss. Den insgesamt größten Teil der Gesamtstrecke nimmt die Landeshauptstadt Düsseldorf mit 19 km ein. In der Stadt Langenfeld erstreckt sich der Radschnellweg über 2,5 km und in der Stadt Monheim am Rhein über 5,4 km. Mehr als die Hälfte des Weges besteht aus selbständig geführten Verbindungen für Radler, ein Drittel liegt an Hauptverkehrsstraßen, den Rest bilden Neben- und Fahrradstraßen.

Vorzugstrasse

Neue Qualität durch die Radschnellverbindung

Auf 27,7 km (94 %) der Gesamttrasse können die erforderlichen Breiten einer Radschnellverbindung nach den Qualitätsstandards des Arbeitskreises Radschnellwege Nordrhein-Westfalen vom 13.01.2013 erfüllt werden. Zukünftig wird eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von 26,2 km/h ermöglicht.
Von ebenso hoher Bedeutung wie die Einhaltung der erforderlichen Breiten, ist die optimale Führung an den Knotenpunkten entlang der Strecke. An 68 der insgesamt 95 Knotenpunkte wird die Radschnellverbindung planfrei oder bevorrechtigt geführt. Damit können die Nutzer der Radschnellverbindung mehr als zwei Drittel aller Knotenpunkte ohne Zeitverluste passieren. Im Durchschnitt wird die Radschnellverbindung Neuss, Düsseldorf, Langenfeld und Monheim am Rhein Zeitverluste von 18 s/km aufweisen. Auf der Gesamtstrecke lassen sich damit enorme Reisezeitengewinne für den Radverkehr erzielen.

Gestaltung, Unterhaltung und Betrieb
Die Radschnellverbindung hat verschiedene Ausprägungen, überwiegend als Fahrradstraße, Radweg und Radfahrstreifen. Trotz dieser unterschiedlichen Führungsformen soll die Radschnellverbindung durchgängig klar erkennbar sein. Darüber hinaus wird die Verwendung StVO-konformer Markierungen vorgegeben. Diese Markierungselemente sollen einheitlich und unmissverständlich verwendet werden, um so ein entsprechend hohes Sicherheitsniveau zu erreichen. Die Gestaltungselemente schaffen einen Wiedererkennungswert und ein Leitelement für die Radschnellverbindung, das die wegweisende Beschilderung unterstützt.
Die Radschnellverbindung wird generell innerorts sowie entlang der selbständig geführten Streckenabschnitte eine durchgehende Beleuchtung bekommen und soll auch im Winter wirksam sein, so dass (bis auf Extremwetterlagen) eine ganzjährige Nutzung gewährleistet ist. Ziel ist, die Radschnellverbindung hinsichtlich der Priorität mit dem Hauptverkehrsstraßennetz gleich zu setzen. Zur Sicherstellung der Befahrbarkeit der Radschnellverbindung, muss zudem regelmäßig eine Reinigung von Laub, Sand und dergleichen erfolgen.
Neben der qualitativ hochwertigen, baulichen Infrastruktur sollen zudem Service-Stationen zur Steigerung des Fahrkomforts beitragen. Idealerweise liegen diese an wichtigen Verknüpfungspunkten mit den lokalen Radverkehrsnetzen. Darüber hinaus werden an landschaftlich attraktiven Punkten, vor allem für den Freizeitradverkehr, Rastplätze vorgesehen.

Gesamtwirtschaftliche Nutzen und Kosten des Projekts

Die geschätzten Gesamtkosten für alle Maßnahmen zur Umsetzung der Radschnellverbindung betragen rd. 56 Millionen Euro. Ein Großteil der Gesamtkosten entfällt auf geplante Ingenieurbauwerke (31 %), ein weiteres Drittel der Kosten entsteht durch den Bau von Streckenabschnitten und Knotenpunkten. Die verbleibenden Gesamtkosten entfallen auf Planung, Ausgleichsmaßnahmen sowie Grunderwerb.
80 % der anfallenden Kosten der Radschnellwegplanung werden durch das Land NRW gefördert. Dies schließt neben der Erstellung der Machbarkeitsstudie, der konkreten Planung und dem Bau auch die erforderlichen Fachgutachten wie artenschutzrechtliche Prüfungen und die Umweltverträglichkeitsprüfung mit ein. Das Budget für die Förderung der weiteren Planung ist bereits im Haushalt des Landes NRW etatisiert.

Der durchschnittliche Kostensatz für die Gesamtstrecke der Radschnellverbindung beträgt 1,9 Millionen Euro pro Kilometer und liegt damit in einem Rahmen, der auch für niederländische Radschnellwege angesetzt wird.
Der gesamtwirtschaftliche Nutzen des Projekts zeigt sich anhand einer detaillierten Potenzialanalyse im Düsseldorfer Verkehrsmodell. Die Ergebnisse zeigen, dass aufgrund der Reisezeitgewinne mehr Menschen auf das Fahrrad umsteigen und sich der Radverkehrsanteil erhöht. So können bis zu 6.500 Radfahrten (im Querschnitt) pro Werktag auf dem Radschnellweg erreicht werden.
Mit dem erhöhten Radverkehrsanteil können 7,1 Mio. Pkw-Kilometer und 1.900 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Ebenso werden weitere Schadstoffemissionen, Unfall- und Krankheitskosten und Betriebskosten des Kfz-Verkehrs gesenkt. Mit der Realisierung einer Radschnellverbindung steigt die Lebens- und Aufenthaltsqualität in den anliegenden Gebieten, der Aktionsradius von Personen ohne eigenes Auto (z.B. Kinder und ältere Menschen) erweitert sich und bei anderen Verkehrsträgern können Entlastungen in den Spitzenstunden erzielt werden.
Stellt man diesen Nutzen den dargestellten Investitionskosten gegenüber, ergibt sich ein Nutzen- Kosten-Verhältnis von 1,9. Damit ist der volkswirtschaftliche Gewinn, der aus dieser Maßnahme und der daraus resultierenden Verlagerung vom MIV auf das Fahrrad entsteht, fast doppelt so hoch wie ihre Investitionskosten. Den wesentlichen Beitrag zu diesem Ergebnis liefern die Senkung der allgemeinen Krankheitskosten und die Senkung der Betriebskosten für den Pkw-Verkehr.

Potenziale des Radschnellwegs Düsseldorf